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REW: Wie du deinen Raum kostenlos misst und was die Graphen dir sagen

Room EQ Wizard (REW) ist kostenlos und zeigt dir in 30 Minuten, warum dein Bass im Homestudio nie stimmt. Schritt-für-Schritt-Anleitung vom Messmikrofon bis zum Wasserfall-Diagramm.

Was REW ist — und warum du es brauchst

Room EQ Wizard (REW) ist eine kostenlose Software, die deinen Raum akustisch vermisst. Sie schickt ein Messsignal über deine Monitore, nimmt es mit einem Mikrofon auf und berechnet daraus Frequenzgang, Nachhall, Phasenverhalten und mehr. Das Ergebnis zeigt dir schwarz auf weiß, was dein Raum mit dem Schall macht — bevor er deine Ohren erreicht.

Warum wichtig: Alle Mixing-Entscheidungen, die du im Homestudio triffst, sind von der Raumakustik verfärbt. Ohne Messung mischt du mit verzerrter Information. Mit einer REW-Messung weißt du, welche Frequenzen dein Raum aufbläst oder schluckt — und kannst dem gezielt entgegenwirken.

Hardware: Was du brauchst (und was optional ist)

Das Minimum: ein Messmikrofon mit Kalibrierdatei. Ein Messmikrofon ist kein normales Kondensatormikrofon — es hat einen möglichst flachen Frequenzgang und kommt mit einer individuellen Kalibrierdatei, die REW einliest, um Abweichungen des Mikrofons herauszurechnen. Typische Einstiegsmodelle kosten 60–120 €.

Dazu brauchst du ein Audio-Interface mit Mikrofon-Eingang. Das gleiche Interface, das du fürs Recording verwendest, funktioniert. Optional aber empfohlen: Loopback-Kabel (einen Ausgang direkt auf einen Eingang schleifen). REW nutzt das, um die Laufzeit des Signals automatisch zu kompensieren — wichtig für präzise Phasenmessungen. Ohne Loopback bekommt man trotzdem brauchbare Frequenzgang- und Nachhallmessungen.

Mess-Setup: Die Checkliste vor der ersten Messung

  • REW downloaden (roomeqwizard.com, kostenlos, Windows/Mac/Linux).
  • Kalibrierdatei des Mikrofons in REW laden: Preferences → Microphone → Cal-Datei auswählen.
  • Audio-Ein-/Ausgang in REW wählen: Preferences → Soundcard.
  • Pegel prüfen: kein Clipping am Interface, SPL-Anzeige kalibrieren (optional: mit einem SPL-Meter vergleichen).
  • Mikrofon aufstellen: an der Hörposition, Kapsel auf Ohrhöhe. Kapsel zur Decke zeigend oder zwischen den Monitoren — wichtig ist, dass du das bei jeder Messung konsistent hältst.
  • Raum ruhig machen: Lüftung aus, Türen zu, kein Straßenlärm. Je leiser der Raum, desto besseres Signal-Rausch-Verhältnis.

Die Messung durchführen — Schritt für Schritt

REW verwendet als Messsignal einen Log-Sweep (Exponential Sine Sweep) — kein rosa Rauschen. Der Log-Sweep hat ein deutlich besseres Signal-Rausch-Verhältnis und ist die Standardmethode für präzise Raummessungen. Standard-Einstellung: 256k Samples, reicht für fast alle Zwecke.

Zielpegel am Mikrofon: 75–80 dB SPL. Das ist laut, aber nicht so laut, dass Mikrofon oder Interface clippen. Im Measure-Dialog: Start/Stop-Frequenz festlegen (typisch 20 Hz bis 20 kHz), auf "Start Measurement" klicken. Der Sweep dauert einige Sekunden.

Empfehlung: Mehrere Positionen messen. Mikrofon an der Haupthörposition, dann 15–20 cm nach links, rechts, vor und zurück verschieben und jeweils erneut messen. Das hilft, Raummoden von Monitor-Färbungen zu unterscheiden: Was sich mit der Mikrofonposition stark verändert, ist eine Raummode. Was stabil bleibt, kommt vom Monitor.

Die Graphen verstehen — was sie dir sagen

Frequenzgang (SPL-Graph): Zeigt Lautstärke über Frequenz. Mit 1/6-Oktav-Glättung lesen — ohne Glättung sehen kleine Räume im Bass aus wie eine Berglandschaft. Breite Buckel im Bass → Raummoden. Breite Senken → SBIR oder Modenauslöschung. Nicht mit EQ "auffüllen" — Auslöschungen lassen sich akustisch kaum kompensieren, nur mit Aufstellung oder Behandlung.

Wasserfall-Diagramm: Das wichtigste Bild für die Raumakustik. Zeigt, wie lange jede Frequenz nachhallt. Normale Frequenzen klingen schnell aus. Problematische Raummoden klingen lange nach — im Wasserfall sieht man "Schwänze" im Bass, die weit nach rechts ziehen. Genau dort braucht es Bassfallen.

RT60 / T20 / T30: Nachhallzeit in Sekunden. Ziel für Heimstudios: 0,2–0,4 Sekunden, möglichst gleichmäßig über alle Frequenzbänder. Stark ungleichmäßiger RT60 (z.B. Bässe klingen 4x länger nach als Mitten) = klarer Behandlungsbedarf.

Vom Graphen zur Maßnahme — was als nächstes tun

REW sagt dir, was falsch ist. Die Priorität der Maßnahmen:

  • Lange Wasserfall-Schwänze im Bass unter 150 Hz → Bassfallen in die Raumecken (raumhoch, dichtes Material).
  • Welliger Frequenzgang in Mitten/Höhen (500 Hz–5 kHz) → Erstreflexionen absorbieren (Spiegeltrick an Seitenwänden und Decke).
  • Hoher RT60 gleichmäßig über alle Frequenzen → mehr Breitband-Absorption, gleichmäßig verteilt.
  • SBIR-Notch (Auslöschung bei einer bestimmten Frequenz) → Monitor-Abstand zur Rückwand ändern oder Rückwand absorbieren.

Wichtig: Eine Maßnahme, dann erneut messen. Nie alles auf einmal verändern — sonst weißt du nicht, was geholfen hat. Diese iterative Herangehensweise ist dieselbe wie beim Mix: eine Änderung, dann gegenhören.

Nächster Schritt

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